Team Freiheit vs. Team Angststörung

Es ist ruhig geworden hier auf dem Blog. Dabei habe ich diesen Artikel schon zweimal geschrieben, ihn aber beide Male wieder gelöscht. Die starken Neptun/Fische Vibes der vergangenen Wochen haben mich so benommen und durchlässig gemacht, dass ich mit dem Hate, der auf Artikel dieser Art folgt, nicht hätte umgehen können. Aber ich starte jetzt einfach nochmal einen dritten Anlauf.

Denn ich weiss nicht, wie es euch gerade geht, aber ich fand die Pandemie sowohl im Frühling 2020, als auch im Frühling 2021 deutlich erträglicher als in diesem Jahr. 2020 war noch sowas wie Solidarität am Start und letztes Jahr dieser Hoffnungsschimmer Impfstoff, der ja auch gegen alle damals existierenden Varianten wirksam war.

Aber wo genau stehen wir jetzt eigentlich? Wir haben deutlich höhere Inzidenzen als in den vergangenen Jahren. Wir haben aufgehört, zu testen. Und es gibt keine Maßnahmen mehr, obwohl das Virus hierzulande auch weiterhin täglich 150-200 Menschenleben beendet.

Das Robert Koch Institut empfiehlt weiterhin, in Innenräumen eine Maske zu tragen.

Aber es etabliert sich ein zunehmend lauterer, populistischer Tenor, der sich über alle lustig macht, die sich weiterhin an diese Empfehlung halten. Mein ganz persönliches “Problem” ist, dass ich mir nicht die Augen und die Ohren zuhalten kann und so den Narrativen auf den Leim gehe, die die Springer Presse und die FDP uns seit dem Freedummday servieren. Natürlich wäre es schön, wenn der ganze Scheiß endlich vorbei ist und wenn es sich wirklich um “nichts weiter als einen Schnupfen” handeln würde. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich hab’ auch keinen Bock mehr. Aber sämtliche Publikationen und Preprints, die mir bei Twitter begegnen, sehen das anders als BILD, Welt und Wolfgang Kubicki.

“Halber Freundeskreis liegt mit Eigenverantwortung im Bett oder hat Long Eigenverantwortung.”

Dieser “Schnupfen” fordert weiterhin bis zu 200 Todesopfer täglich und Karl Lauterbach mahnt auf Twitter zur Infektionsvermeidung, während der Gesundheitsminister jedem Menschen ein Infektionsangebot unterbreitet. Mein ganz persönliches Problem mit diesem Infektionsangebot? 10% aller Infizierten entwickeln Long Covid. In Worten: ZEHN PROZENT.  Und das macht diese Durchseuchung für mich als Selbstständige nur so mäßig attraktiv. Dass es Menschen zwischen 30 und 50 am häufigsten trifft und Frauen doppelt so oft wie Männer, macht die Nummer auch nicht unbedingt reizvoller.

Ich habe keine Kinder und war daher bisher noch nicht infiziert. Dass ich keine Innengastro aufsuche und weiterhin Maske trage, wird sicherlich auch dazu beigetragen haben. Allerdings verschiebt sich nun der öffentliche Diskurs und Menschen wie mir wird eine Angststörung angedichtet. Ein Zeit Artikel nannte es kürzlich “Cave Syndrom”. Ich finde das interessant. Denn ich habe keineswegs Angst vor diesem Virus, sehr wohl aber vor dem allgegenwärtigen Populismus oder davor, demnächst Grundsicherung beantragen zu müssen, weil ich als Selbstständige mit Long Covid meiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Und ich wundere mich, dass sich kaum jemand an diesen 10% stört!?

“Klar haben Leute, die sich jetzt noch vor einer Corona-Infektion schützen wollen, ein “Cave-Syndrom”. Menschen, die sich immer im Auto angurten, haben ja auch einen Bonding-Fetisch…”

Klar kann es gutgehen. Aber seit zwei Jahren ist jede Entscheidung eine Risiko/Nutzen Abwägung. Hätte ich mich impfen lassen, wenn der Impfstoff bei 10% aller Geimpften zu Arbeitsunfähigkeit geführt hätte? Wohl kaum.

Im Folgenden beziehe ich mich auf einen aktuellen Tweet von T. Ryan Gregory, der die neuesten Publikationen und Preprints in einem Thread zusammengefasst hat. Ich werde fünf seiner Tweets übersetzen. Es geht mir dabei keineswegs darum, irgendwelche Querdullis zu überzeugen. Die sind mittlerweile ja auch Pro Putin. Wir haben diese Menschen verloren. Ich schreibe diesen Text für alle, denen es gerade genauso geht wie mir. Denen plötzlich Angststörungen von rechts außen angedichtet werden und die man nun als Höhlenmenschen bezeichnet, weil sie durch das einfache Tragen einer Maske “alle anderen in Schutzhaft nehmen” (Zitat Welt – unverlinkt, weil Springer Presse).

Aber genug Populismus, kommen wir zu den Fakten.

  1. Omikron ist nicht milder als Delta.
  2. Wer sich ungeimpft infiziert, hat aller Voraussicht nach einen miesen Schutz gegen andere Varianten.
  3. Es gibt Hinweise darauf, dass Long Covid das Gehirn schrumpfen lässt.
  4. Die kognitiven Defizite bei Long Covid sind vergleichbar mit einer Alterung des Gehirns um 20 Jahre.
  5. Das Tragen einer Maske reduziert aller Voraussicht nach selbst dann die Schwere der Erkrankung, wenn die Maske nicht die vollständige Übertragung verhindert.

Natürlich werden wir uns alle irgendwann infizieren. Aber ich hätte es irgendwie schon smart gefunden, nicht einfach alle Maßnahmen abzuschaffen, damit es den Menschen bis zum bivalenten Moderna Booster noch etwas leichter gemacht wird. Oder bis zu dem nasalen Impfstoff aus Kuba. Oder bis man herausgefunden hat, was gegen Long Covid hilft. Denn der Plan mit der Schleimhautimmunität scheint ja nicht aufzugehen, wenn man sich anschaut, wie häufig und wie schnell sich alleine Kinder in Schulen reinfizieren. (Fun Fact: Mäuse waren nach 16 Runden im wahrsten Sinne des Wortes mausetot.)

In meiner Welt bedeutet “mit Corona leben” zumindest während dieses Übergangs eine angepasste Lebensweise und keineswegs ein Leben wie 2019. Call me a freak, aber ich feiere jede Infektionsrunde, die ich nicht mitnehme. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Angststörung. Ich hab’ nur einfach keine Lust auf ein schrumpfendes Gehirn.

Falls es euch genauso geht und falls die Populisten, die jetzt gerade einfach wieder besonders laut schreien, euch zunehmend das Gefühl geben, dass ihr übertreibt: Ihr seid nicht alleine.

“Nie war es in der Corona Pandemie leichter sich zu infizieren und nie war es schwerer, Menschen, die man sehr mag zu vermitteln, dass man das nach wie vor nicht möchte.”

Jenny