Weihnachten alleine – Warum das auf so vielen Ebenen keine dumme Idee ist

Nun ist das Kätzchen also aus dem Sack. Unsere CHRISTLICH-demokratische Regierungspartei gestattet Weihnachtsfeierlichkeiten in einem Umfang, bei dem mir persönlich ganz anders wird.

Aber lasst uns heute doch mal über die Vorzüge reden, die ganz klar auf der Hand liegen, wenn man Weihnachten alleine verbringt. Ich selbst habe nämlich schon vor einigen Wochen entschieden, meine Eltern über die Feiertage nicht zu besuchen. Sie gehören alterstechnisch knallhart zur Risikogruppe (auch wenn sie nicht so aussehen) und ich könnte es mir nie verzeihen, über eine 8-stündige Fahrt im knackig vollen ICE den Virus in die familiären Feierlichkeiten einzuschleppen. Denn wisst ihr, was noch sehr viel uncooler ist als ein Weihnachten ohne Eltern? Tote Eltern.

Aber gut. Wir dürfen ja jetzt schon wieder eine Weile unser Sound Bath nicht spielen (während Gottesdienste weiterhin stattfinden) und ich muss an dieser Stelle ganz ehrlich einräumen, dass diese religiöse Einfärbung, was die Maßnahmen angeht, mich ziemlich abfuckt. Da werden mir alle Selbständigen, die vor Wochen ihre Arbeit erneut niederlegen mussten, um die Infektionszahlen zu drosseln, sicherlich zustimmen.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde es sehr wichtig, die Zahlen zu drosseln. Jeder tote Mensch ist einer zu viel. Aber die Gesellschaft darf nicht erwarten, dass all’ diejenigen, die gerade zum Wohle der Allgemeinheit um ihre Existenz fürchten laut “Hurra” schreien, nur weil die CDU den “heiligen” Abend zum Superspreader Event erklärt. Denn das hat ja ganz automatisch zur Folge, dass die Lage sich auch Anfang 2021 keineswegs entspannen wird.

Ich bin ziemlich froh, dass wir in einer halbwegs stabilen Demokratie leben und ich meine Meinung an dieser Stelle so offen mit euch teilen darf, ohne gefoltert zu werden und mit meinem Leben dafür zu bezahlen. Dennoch sollten wir uns an dieser Stelle vielleicht einfach mal fragen, ob die Kirche nicht schon genug Leid über unseren Planeten gebracht hat.

Aber kommen wir zu den positiven Seiten dieses ganzen Theaters, denn die Zeit “zwischen den Jahren” ist ja ohnehin eine sehr besondere, die für mein Gefühl noch nie kompatibel war mit großer Family Action und starken Ablenkungen im Außen. Wer mag, kann die Rauhnächte in diesem Jahr also ohne schlechtes Gewissen (und ohne irgendwelche Ausreden erfinden zu müssen) ganz in Ruhe zelebrieren. Ein bisschen Rückzug und Regeneration kann uns 2020 vermutlich allen nicht schaden und on top ereignen sich genau zu dieser Zeit auch noch sensationelle Shifts im Kosmos. Pünktlich zur Wintersonnenwende treffen sich nämlich Jupiter und Saturn im Wassermann.

Das ganze Drama 2020 hat sich mehr oder weniger im rigiden Steinbock abgespielt, der auch für den Staat, Regeln und Ordnung steht. Dass beide Planeten nur wenige Tage vor der Wintersonnenwende die Grenze zum Wassermann passieren, läutet eine vollkommen neue Zeit ein. Denn im Wassermann ist sehr viel mehr Beweglichkeit gefragt. Der Astrologe Norbert Giesow hat kürzlich das schöne Bild eines Heissluftballons benutzt, der Gewicht abwerfen muss, um aufzusteigen. Und mit genau diesem Bild könnten wir es uns dieses Jahr doch in den Rauhnächten gemütlich machen.

Was hat in diesem Jahr nicht mehr so richtig funktioniert? Bin ich bereit, diese Freundschaften, diese Arbeit oder was auch immer gehen zu lassen? Wie sieht mein Fundament für die neue Zeit aus? Worauf möchte ich bauen?

Ich bin mir sicher, dass wir in den Rauhnächten, wenn die Grenzen zu anderen Welten eh’ schon so dünn sind, dass sie ineinander zu verschwimmen scheinen, auf diese Fragen sehr konkrete Antworten erhalten können, wenn wir nur mutig genug sind, zur Ruhe zu kommen und in uns hinein zu lauschen. (Meinen ganzen Rauhnachts-Content findet ihr btw hier.)

2020 ist kein Jahr für wilde Parties und große Familienzusammenkünfte. 2020 ist ein Jahr, in dem uns in einer hart individualistischen Gesellschaft mit der Brechstange vor Augen geführt wird, dass wir alle voneinander abhängig sind. Dass unser egoistisches Verhalten andere Menschen in einer Kettenreaktion das Leben kosten kann. Und wie cool wäre es bitte, wenn die Mehrheit der Menschen in diesem Land checkt, dass Menschenleben am Ende mehr wert sind als religiös hinkonstruierte Festivitäten?

Bevor die Kirche sich über unsere ganz eigene, indigene Spiritualität gestülpt hat, waren die Rauhnächte nämlich eine Zeit des Rückzugs. Eine Zeit der Stille. Und vielleicht dürfen wir uns in diesem Jahr genau daran wieder erinnern.

Jenny